Warum wir uns für eine Kammer mit natürlichem Kältemittel entschieden haben
Vor ein paar Tagen wurde unsere neue Klimakammer geliefert. Auf den ersten Blick: eine Kammer wie jede andere. Temperaturbereich, Feuchteregelung, Innenraumvolumen – alles im erwartbaren Rahmen.
Der Unterschied liegt im Detail: Sie arbeitet mit CO₂ als Kältemittel.
Nicht nur in den Kreisläufen, sondern auch in den Kompressoren selbst. Das ist im Bereich der Umweltsimulation noch nicht Standard – aber es wird kommen.
Das Problem mit klassischen Kältemitteln
In vielen Klimakammern und Kälteanlagen laufen heute noch synthetische Kältemittel wie R-404A oder R-507A. Technisch funktionieren sie gut. Das Problem zeigt sich erst, wenn mal etwas undicht wird.
Der sogenannte GWP-Wert (Global Warming Potential) gibt an, wie stark ein Stoff zum Treibhauseffekt beiträgt – relativ zu CO₂, das als Referenz den Wert 1 hat.
Das bedeutet: Ein Kilogramm R-404A, das in die Atmosphäre entweicht, hat denselben Effekt wie fast 4 Tonnen CO₂.
Bei Klimakammern, die regelmäßig tiefe Temperaturen fahren und über Jahre im Einsatz sind, summiert sich das.

Was CO₂ als Kältemittel anders macht
CO₂ (technisch: R-744) ist ein natürliches Kältemittel. Es ist nicht brennbar, nicht toxisch und hat – wie gesagt – einen GWP von 1.
Der Haken: CO₂-Systeme arbeiten mit deutlich höheren Drücken als klassische Kälteanlagen. Das stellt andere Anforderungen an Komponenten und Verdichter. Technisch ist das heute lösbar, aber es erklärt, warum sich die Technologie erst jetzt breiter durchsetzt.
Ein Nebeneffekt, den wir nicht erwartet hatten: Die Kammer läuft spürbar leiser als vergleichbare Modelle mit konventionellem Kältemittel.
Was das für unsere Arbeit bedeutet
Als Prüflabor für Umweltsimulation testen wir Komponenten auf Zuverlässigkeit unter extremen Bedingungen. Temperaturwechsel, Klimastress, Lebensdauerprüfungen – das ist unser Alltag.
Dabei geht es immer um die Frage: Hält das Bauteil, was es verspricht?
Wenn wir selbst auf Technik setzen, die langfristig tragfähig ist, passt das zu unserem Anspruch. Keine Revolution. Aber ein bewusster Schritt.

Fazit
CO₂ als Kältemittel ist kein Marketingthema. Es ist eine technische Entscheidung mit messbaren Vorteilen – vor allem im Bereich der Umweltbilanz.
Für Prüflabore, die regelmäßig Klimakammern im Dauerbetrieb haben, lohnt sich ein genauer Blick auf die eingesetzte Kältetechnik. Nicht nur aus Nachhaltigkeitsgründen, sondern auch mit Blick auf kommende Regulierungen (Stichwort: F-Gase-Verordnung).
Wir sind gespannt, wie sich die Technik in den nächsten Jahren entwickelt.


